Kurz gesagt: Co-Regulation bedeutet: Kinder beruhigen sich am Nervensystem eines ruhigen Erwachsenen. Deshalb beginnt Ruhe bei dir. Lang ausatmen, die Füße spüren, auf Augenhöhe gehen, langsamer sprechen und den eigenen Tank füllen helfen dir, im Familienalltag ruhiger zu bleiben.
Sonja Svirac

„Bleib einfach ruhig.“ Diesen Rat haben die meisten Mamas schon oft gehört. Und die meisten wissen: Leichter gesagt als getan. Denn wenn dein Kind schreit, dein Kopf voll ist und die Zeit drängt, fühlt sich Ruhe weit weg an.

Trotzdem steckt in diesem Rat etwas Wichtiges. Nur anders, als er meistens gemeint ist.

Was Co-Regulation bedeutet

Kinder kommen nicht mit der Fähigkeit auf die Welt, sich selbst zu beruhigen. Sie lernen es – und zwar über die Erwachsenen um sie herum. Wenn ein Baby weint und auf dem Arm einer ruhigen Bezugsperson langsam entspannt, passiert genau das: Co-Regulation. Das Nervensystem des Kindes orientiert sich am Nervensystem des Erwachsenen.

Das hört nicht im Babyalter auf. Auch ein Kleinkind im Wutanfall, ein Schulkind mit Angst vor der Klassenarbeit, ein Teenager nach einem Streit – sie alle beruhigen sich leichter in der Nähe eines Menschen, der selbst Halt hat.

Warum es bei dir beginnt

Das ist die gute und die herausfordernde Nachricht zugleich: Du kannst dein Kind nicht beruhigen, indem du ihm sagst, dass es ruhig sein soll. Du kannst ihm aber deine eigene Ruhe zur Verfügung stellen.

Und dafür brauchst du zuerst einen Zugang zu deiner Ruhe. Nicht perfekt, nicht immer. Aber oft genug.

Deshalb arbeiten wir bei WHY FIRST nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Körper. Denn Ruhe ist nichts, was man sich nur vornimmt – sie ist ein Zustand, den man spüren und üben kann.

Ruhig bleiben als Mama: kleine Übungen für den Alltag

Atme länger aus als ein. Ein langer Ausatem signalisiert deinem Körper: Es ist keine Gefahr. Schon drei, vier Atemzüge können einen Unterschied machen.

Spür deine Füße. Wenn es hitzig wird, lenk deine Aufmerksamkeit für einen Moment auf deine Fußsohlen auf dem Boden. Das holt dich aus dem Kopf zurück ins Hier und Jetzt.

Geh auf Augenhöhe. Setz dich hin oder geh in die Hocke. Eine niedrigere, ruhigere Körperhaltung wirkt auf dich und auf dein Kind.

Sprich langsamer und leiser. Deine Stimme ist ein starkes Werkzeug. Ein ruhiger, tiefer Tonfall beruhigt mehr als jedes Argument.

Füll deinen eigenen Tank. Co-Regulation gelingt viel leichter, wenn du nicht dauerhaft auf Reserve läufst. Kleine Pausen im Alltag sind kein Luxus, sondern Voraussetzung.

Und wenn es doch nicht klappt?

Dann ist das menschlich. Kein Mensch ist immer reguliert. Was zählt, ist die Reparatur danach: zu deinem Kind zurückkehren, dich entschuldigen, wieder in Verbindung gehen. Auch das ist Co-Regulation – und es zeigt deinem Kind, dass Beziehung Fehler aushält. (Warum du trotz allem Wissen manchmal laut wirst)

Du musst das nicht allein lernen

So wie Kinder Regulation in Beziehung lernen, gilt das auch für Erwachsene. In einer verlässlichen Begleitung zu erleben, wie es sich anfühlt, gehalten zu werden, ist oft der erste Schritt, um selbst mehr Halt zu finden.

Häufige Fragen

Ab wann können Kinder sich selbst beruhigen? Selbstregulation entwickelt sich über die ganze Kindheit hinweg. Bis weit ins Schulalter – und in schwierigen Momenten auch darüber hinaus – brauchen Kinder dabei die Unterstützung ihrer Bezugspersonen.

Was, wenn ich selbst gar nicht ruhig bin? Dann fängst du bei dir an: kleine Pausen, ein langer Ausatem, ein Moment Abstand. Niemand ist immer ruhig – entscheidend ist, dass du immer wieder zu dir zurückfindest.

Gemeinsam ruhiger werden

In der WHY FIRST Gruppe übst du gemeinsam mit anderen Mamas, auch in stürmischen Momenten bei dir zu bleiben – begleitet über vier Monate, online von zu Hause aus.

Zur GruppeKennenlerngespräch buchen